Systemische Therapie
Im Family-Blog gibt es Neuigkeiten zu Themen des Instituts Family Affair und der systemisch-phänomenologischen Therapie
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04.Mai.2011

Aufstellungsarbeit mit Figuren

Die von Bert Hellinger vor über 20 Jahren entwickelte Aufstellungsarbeit hat im Laufe der Jahre in vielen pädagogischen und psychotherapeutischen Bereichen sowie weiteren Arbeitsfeldern (medizinischer Bereich, Unternehmensberatung, usw.) einen wichtigen Platz in der Wahrnehmung und Offenlegung von zunächst unsichtbaren – weil unbewussten – Bindungs- und Beziehungsstrukturen eingenommen.

Seither haben zahlreiche Menschen in vielen Ländern an vielfach angebotenen Workshops und Seminaren von Systemaufstellungen teilgenommen, sehr oft eine gute Lösung für ihre Anliegen im Bereich Familie, Partnerschaft, Gesundheit, Arbeitsbereich und anderes mehr gefunden sowie ihre jeweiligen Beziehungen auf eine neue Ebene entsprechend der zentralen „Ordnungen der Liebe“ stellen können.

Auch in der Einzelberatung / Einzeltherapie werden Aufstellungen durchgeführt. Zum einen arbeiten viele Berater überwiegend in diesem Setting (beraterische oder therapeutische Arbeitsform) und haben mit der Aufstellungsarbeit ein neues Werkzeug in ihr Repertoire integriert, zum anderen gibt es Klienten, die aus unterschiedlichen Gründen keine Gruppenseminare besuchen können oder wollen.


Mittlerweile haben sich verschiedene Formen der Aufstellungsarbeit in der Einzelberatung, zur Darstellung des Aufstellungsfeldes sowie der Repräsentanten herausgebildet:
  • Hilfsmittel auf dem Boden („Bodenanker“) wie Papierblätter, Decken, Kissen, Matten, Stühle, also alles, was man gut auf den Boden legen kann
  • Arbeit mit Aufstellungsfiguren, wie Playmobil-Figuren, Holz –und andere Figuren
  • Innere Aufstellungen: Aufstellungsarbeit in der (gelenkten) Vorstellung des Klienten

Im Folgenden werde ich näher auf die Arbeit mit den Aufstellungsfiguren (Playmobilfiguren) aus dem Carl Auer Verlag eingehen, da ich sie in den letzten Jahren bevorzugt anwende.

Generell sehe ich folgende Vorteile in dieser Arbeitsform:

  • Es ist möglich, das gesamte Aufstellungsfeld in einem Blick zu betrachten, in den wechselnden Ebenen aus Nähe und Distanz, die für den Klienten gerade passend sind
  • Der Aufstellungsprozess kann ständig verändert werden in Ablauf, Zeit, Geschwindigkeit und Intensität. Er kann jederzeit unterbrochen und auf eine andere Ebene gebracht werden. Es können innere Aufstellungen, Geschichten, Rituale, Sätze der Kraft als auch Körperwahrnehmung eingeflochten werden
  • Der Klient kann vom Therapeuten oft intensiver wahrgenommen werden als in einer Gruppe. Die Wahrnehmung dieser Einzelheiten begleitet und beeinflusst den gesamten Arbeitsprozess. Umgekehrt kann auch der Klient den Therapeuten oft intensiver wahrnehmen (positive Übertragung, Sicherheit, Grenzen)
  • In diesem vergleichsweise „ruhigeren“ Prozess der Aufstellungsform kann der Therapeut oft besser die Möglichkeiten und Grenzen des Klienten (des Aufnehmens und der Verarbeitung) wahrnehmen, einschätzen und sich darauf einstellen
  • Des Weiteren lassen sich die Aufstellungsfiguren zur bildhaften Darstellung / Erklärung auch in weiteren Beratungsformen erfolgreich einsetzen. So manches Mal habe ich während einer Paarberatung eine männliche und eine weibliche Figur aufgestellt und gefragt, wie das Paar bildhaft ihre gegenwärtige Beziehung sieht. Dies verändert sofort die Wahrnehmungsebene, es wird wacher und lebendiger, die jeweilige Deutungsebene des Paares verändert sich zugunsten einer aktuellen Befindlichkeit
  • Und schließlich kann das Lösungsbild der Aufstellung zur weiteren Betrachtung, Verarbeitung und Unterstützung sogar fotografiert werden.

In der Aufstellung selbst lasse ich den Klienten zunächst die gewählten Figuren zu seinem Anliegen auf eine Drehscheibe stellen. Dies hat den Vorteil, dass sowohl der Klient als auch der Therapeut das Aufstellungsbild ständig von allen Seiten betrachten kann.

Dann stelle ich dem Klienten Fragen zu seiner Wahrnehmung des Gesamtbildes und einzelner Positionen, und ergänze mit meiner Wahrnehmung. Manchmal verbinde ich meine Eindrücke zu einer Geschichte, die ich dem Klienten erzähle. Falls erforderlich, stelle ich dem Klienten weitere Fragen zum System.

In einer permanenten Interaktion zwischen mir und dem Klienten entwickelt sich der Aufstellungsprozess, formt sich das Bild, ist eine Lösung sichtbar und fühlbar.

Auch wenn die Playmobil-Repräsentanten in der Aufstellung nicht direkt kommunizieren und Gefühle äußern können, so entstehen doch sehr oft berührende Situationen von einer emotionalen und seelischen Dichte, wie sie auch in den Gruppenaufstellungen wahrnehmbar sind.

Insofern kann ich aus meiner langjährigen Erfahrung mit beiden Aufstellungsformen sagen, dass die Aufstellung in der Einzelberatung – unterstützt durch die entsprechenden Hilfsmittel – in Intensität, Wirkung und Aussagekraft einem Aufstellungsseminar ebenbürtig ist. Vor Jahren noch ein wenig als „Leicht-Version“ der klassischen Seminarform belächelt, stellt sich die Einzelaufstellung heute durch Einflüsse und Integration von hypnotherapeutischen, traumatherapeutischen, meditativen und anderen Elementen als eine vollwertige Aufstellungsform dar.

Sie ist neben der klassischen Gruppenform gleichwertig empfehlenswert.

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